Viniciusgrafie

VINICIUSGRAFIE

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Rio de Janeiro

Die Geschichte dieser Stadt hat ihren Anfang am 01. Januar 1502, als der portugiesische Forscher Pedro Álvares Cabral Rio entdeckte. Er verwechselte die Guanabara Bucht (ein indianischer Name, der ‚stehendes Wasser’ bedeutet) mit der Mündung eines Flusses (zu portugiesisch ‚Rio’) und nannte die Stadt deshalb irrtümlich Fluss des Januars – Rio de Janeiro.

Jahrhunderte später adelten die Brasilianer ihre Stadt mit dem Titel „Wunderstad
t“. So in etwa erzählen unsere Geschichtsbücher. Inwiefern diese Geschichten Geschichte sind, ist nicht ganz klar, aber eines ist sicher:
Meine Geschichte begann 468 Jahre später – auch in dieser Stadt.


Geburt

Wie viele Millionen denkender Köpfe wurde auch ich in Rio de Janeiro geboren – um 02:50 in der tiefsten Nacht.

Vielleicht ist das der Grund für meine Liebe zur Nacht und ihren Geheimnissen. Denn nachts hören wir unsere wahren Stimmen und ihre Echos. Nachts pulsiert das Leben in den Kneipen. Nachts bekommen unsere geheimsten Wünsche ungeahnte Dimensionen… Der Tag verblendet unseren Glanz mit seinem Licht und seiner Schönheit.


Familie

Ich bin das erste Kind des Ehepaars Lídia und Vantuil. Mein
e Mutter kommt aus dem Budesstaat Bahia. Mit 26 verließ sie ihr Zuhause und ging nach Rio auf der Suche nach ihrem Schicksal. Dort lernte sie meinen Vater kennen, verliebte sich in ihn und heiratete ihn.
Mein Vater wurde in dem Bundesstaat Minas Gerais geboren, aber im Alter von 2 Jahren kam er mit seiner ganzen Familie nach Rio, wo er Wurzeln geschlagen hat. Meine Eltern haben mich mit zwei Schwestern beschenkt:
Die älteste ist für mich das lebendige Familienfoto bei mir in Deutschland. Die jüngste ist unser Nesthäkchen und lebt zur großen Freude meiner Eltern in Rio. So lässt sich die Abwesenheit der zwei anderen Kinder leichter ertragen. Meine Mutter hat immer „Wunder“ mit ihren Händen vollbracht: sie hat als Schneiderin, Maniküre und Friseurin gearbeitet. Mein Vater vollbrachte Wunder elektrischer Art. Als Elektrotechniker sorgte er dafür, dass das Leben in der Weltstadt Rio immer weiter pulsieren konnte. Se
ine Vorfahren waren schwarz, die meiner Mutter eine Mischung aus Weißen, Schwarzen und Indios. Ganz typisch für Brasilien…
So kann ich sagen, dass in meinen Adern das Blut von drei Rassen fließt. Drei Rassen, aus denen das brasilianische Volk geboren wurde, die ihm seine Hautfarbe, seine Identität und seine Lebensfreude geschenkt haben.


Kindheit

Ich hatte eine schlichte Kindheit in der östliche Zone von Rio – Stadtteil Jacarepaguá. Schlicht, was meine Besitztümer angeht aber voller Farben in allen Dingen, die ich gesehen und erlebt habe. Noch heute kann ich mich an meine Lieblingsspielzeuge erinnern: Meine Autos! Eines davon bewahre ich bis heute noch auf.
Die bedeutsamsten Momente meiner Kindheit nenne ich goldene Momente. Da waren die goldenen Sonntagnachmittage auf der Veranda des Hauses der Mutter Tina. Dort verbrachte ich viele gol
dene Momente mit meinen Vettern, meinen Kusinen, Onkel, Tanten, Schwestern und Eltern. Ah, es waren genussvolle Nachmittage! Nicht nur wegen des Essens und Trinkens, das jedes Familienmitglied mitbrachte, sondern auch wegen der erzählten Geschichten. Wir sangen und tanzten Stunden lang zusammen. Das Gelächter, die Unterhaltungen und das Zusammensein hallen bis heute noch nach…
Es war so toll!!
Wer Mutter Tina war?
Sie war Mutter für alle, die sie brauchten. Sie war eine Frau voller Weisheit ohne Bücher, voll endloser Energie und Lebensfreude – von einer erstaunlichen Schlichtheit.
Mutter Tina – geboren als Altina am 22. Oktober 1913 in Minas Gerais, Hebamme, Heilerin, Mutter von 6 Kindern. Mutter Tina war meine Großmutter.


Schule

Ich mochte sehr unsere Wintertage (15°C-22°C), Pullover anziehen und Schlittschuhlaufen in der Kunstei
shalle in der tropischen Stadt – Rio. Ich träumte von Schnee.
Ich wollte seit meiner Kindheit immer „ ein großer Mensch“ sein. Ich gehe davon aus, dass das mit dem Wunsch zu tun hatte, unabhängig zu werden. Deswegen war die Schule mein erster Schritt zu diesem unvermeidlichen Schicksal. Mit sieben Jahren fing ich die Schule an und ich hatte den ersten Kontakt mit fremden Sprachen – Englisch und Französisch. Dort habe ich einen großen Freund kennen gelernt, der mich bis heute noch aus der Distanz Rio – Münster begleitet und unterstützt. Henrique verkörpert den Extrakt meiner Vergangenheit in der Gegenwart. Es war durch die Fächer Weltgeschichte und Geografie in der Schule, dass ich deutlich in mir merkte, nicht nur zur „Wunderstadt“ zu gehören, sondern zugleich zu „woanders“, und dass ich eines Tages meine Füße auf den Weg setzen müsste: auf der Suche nach einem anderen „verzauberten“ Ortes. Auch in der Schule begann ich, meine erste
n Gedichte zu schreiben – im Alter von 12 Jahren. Anfangs hatte ich keine Ahnung, was ich schrieb. Ich wusste nur, dass es Gedanke, Wünsche, Träume eines Jugendlichen in Form von Worten waren.
Manchmal sind ein Blattpapier und ein Bleistift meine besten Freunde. In Wirklichkeit zweifelte ich, ob ich Gedichte schreiben konnte, vor allem weil ich ohne Reime schrieb. Doch habe ich mit dem Schreiben nicht aufgehört, ich setzte es trotzdem immer fort. Ich vermute, dass mein Gedicht meine erste bewusste künstlerische Ausdrucksform war, obwohl der Tanz… Die letzten drei Schuljahre habe ich in der technischen Visconde de Mauá Berufschule verbracht. Bis heute noch kann ich kaum glauben, dass ich Elektronik gelernt habe. Es war eine Betäubung in meiner künstlerischen Entwicklung drei Jahre lang. Das Beste an dieser Zeit von viel Technik und wenig Kunst war, dass sie mir geniale Menschen in mein LEBEN gebracht hat, wie meine Schulkollegen, von denen, einige la
ngjährige Freunde geworden sind.


Theater

Meinen ersten Theaterkurs für Amateure besuchte ich mit fünfzehn. Während meine Klassenkollegen Fußball spielten und sich auf ihr Berufsleben vorbereiteten, beschloss ich, noch einen Kurs für weitere sechs Monate zu besuchen. In dieser Zeit wurde mir klar, dass das Bedürfnis, mich durch Kunst auszudrücken, fest in meinen Adern fließt. Mit der Zeit verstand ich, dass dieser Hunger nach Ausdruck erst dann befriedigt wurde, wenn ich nicht „nur“ sprach, sondern wenn ich den ganzen Körper ins Spiel brachte, d.h., denn ich konnte schon damals in meinem Kopf verschiedene Tänze sehen: unfassbare bewegliche Gedanken. Vielleicht waren es schon die ersten choreografischen Manifestationen….


Universität

Mit 18 besuchte ich di
e private Universität Veiga de Almeida – Studiengang Tourismus. Allerdings habe ich nur zwei Semester studiert, denn ich investierte das Geld für die hohen monatlichen Beiträge lieber in Fremdsprachkurse. Im gleichen Jahr beendete ich meine Ausbildung als Reiseleiter in Rio de Janeiro. Drei Jahre habe ich meinen Beruf ausgeübt und in dieser kurzen Zeit haben ich tausende von interessanten Menschen aus verschiedensten Ecken Welt kennen gelernt.
Allmählich begann die Welt ihre Grenzen für mich zu verlieren. Im meinen großen Durst nach Kommunikation belegte ich die Sprachkurse für Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch. Vier Jahre später wurde die deutsche Sprache meine „ adoptiv-“ Muttersprache… Das Leben ist überraschend…

Deutschland

LINEAS AEREAS PARAGUAYAS

FLUG 800 NACH FRANKFURT

NOW BOARDING –

Am 28. April 1992 um 13 Uhr l
ieß ich Brasilien und alles, was ich am meisten liebte, hinter mir zurück auf der Suche nach mir und Antworten auf meine existentiellen Fragen. Es war schwierig….

aber meine innere Stimme sagte mir, dass die lang erwartete Abreisezeit endlich gekommen sei.

Beim Abflug war ich völlig besessen vom Siegesgefühl, mir den Traum der Träume erfüllt zu haben, von der Angst und der Unsicherheit, einen Sprung in die Dunkelheit zu wagen, und von der Neugier, mich auf “Das Neue” einzulassen.

Seltsam, vielleicht ging es meiner Mutter genauso, als sie ihr Zuhause verließ.

Im gleichen Jahr schaffte ich es, einen weiteren großen Traum meines Lebens zu verwirklichen

– auf einer Bühne zu tanzen!

Die Bühne fasziniert mich.

Ich bekam die Einladung bei einer brasilianischen Samba- Tanzgruppe in Duisburg zu tanzen – „Bela Samba“. Ich habe bei der Gruppe eineinhalb Jahre getanzt und viel gelernt. Trotz der harten Arbeit
habe ich es sehr genossen!

Parallel zu den Tanzauftritten besuchte ich einen sehr intensiven Sprachkurs, um mich für die Aufnahmeprüfung für die Ethnologie an der Universität vorzubereiten. Für mich war es wichtig auch auf einer wissenschaftlichen Basis, meinen Durst zu stillen – verschiedene Völker, deren Kulturen und Tänze (!) auch in ihrer Geschichte, ihrem Ursprung kennen zu lernen.

Im Winter 94 begann ich das Studium – Studiengang: Europäische Ethnologie an der Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

Münster hat mein Leben verändert.

In dieser Stadt lernte ich im Frühjahr 95 meine neue Tanzpartnerin kennen – Dandara.

Zusammen gründeten wir das Sambaduo:

DANDARA UND VINICIUS. Mit unseren Shows brachten wir die farbenfrohe Lebensenergie Brasiliens fünf Jahre lang in viele deutsche Städte. Dass am Ende unserer Show das ganze Publikum sich diesem Lebensgefühl hingab und mit uns gemeinsam tanzte, war für u
ns beide der Höhepunkt jedes Auftritt-Abends. Dandara und alle Frauen aus dem Publikum bewiesen, dass die Schönheit des menschlichen Körpers und des Sambas mindestens so gut zur Geltung kommt, wenn nicht fast „alle Hüllen fallen“. Samba lebt davon, dass die Musik durch die Ohren direkt ins Herz dringt und dann der ganze Körper diese Freude ausdrückt – die Show lebt zusätzlich von ihren schönen Kostümen

In Münster lernte ich eine weitere großartige Frau kennen: Mariana Thalassinou, klassische Tänzerin, Lehrerin für experimentellen Tanz und Leiterin ihrer eigenen Tanzschule DER KLEINE BÜHNENBODEN. Von ihr wurde ich als Tanztheatertänzer ausgebildet. Sie war fünf Jahre lang meine Mentorin in der Kunst des Tanztheaters.

Im Jahr 2000 präsentierte meine Theaterproduktion:

Der Weg voran führt mich zurück“

ein poetisches Tanztheaterstück von Vinicius

Seit ich zwölf Jahre alt war, hatte ich an meiner Poesie
gezweifelt und erst bei der Premiere von „Der Weg voran führt mich zurück“ begriff ich wirklich, welche Botschaft meine Gedichte in sich tragen. Die Premiere war ein neuer Höhepunkt meines Lebens.

Andere eigene nationale und internationale Tanzproduktionen sind nach und nach entstanden und jedes Mal tauchte meine zentrale Forschungsfrage noch deutlicher auf: ab wann und in welchem Umfang sprechen die Worte und ab wann spricht der Körper. Wo erreichen beide Elemente ihre Grenzen? Mit diesen und ein paar anderen choreografischen Fragen fing ich an, meinen Master of Arts in Choreography an der Middlesex University London zu studieren. What a fascinating creative time sorrounded by so many talented professinals in the dance world…

Noch einmal habe ich selbst in meinem Leben bewiesen, dass die Grenzen zwischen manchen Träumen und Realität eine sehr dünne Linie sein können, wenn eine bewusste Handlung folgt….

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Tanz

Im Laufe meiner Tanzkarriere, insbesondere als Tanztheatertänzer und Choreograf, wurde es mir klar, dass es die tiefsten Emotionen der Menschheit sind , die mich am meisten interessieren und mich zu einer Tanzforschung durch die menschlichen Innenwelten bewegen. Der tanzende Köper soll, vor meinen Augen, die Emotionen verkörpern und spüren lassen, was tausende Worte nicht lüften können. Aus diesem Grund ist der Tanz meine Luft zum atmen, meine Lebensfreude, meine Traurigkeit, meine Kraftquelle, meine Verbindung zwischen der sichtbaren Welt und der unsichtbaren. Tanz ist meine Seele, die meine Innen- und Außenwelt zusammenhält.

Willkommen auf meiner Homepage!

Karriere

LEBENSLAUF

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Vinicius ist mit SambaTanz und Theater in Brasilien aufgewachsen. In Europa wurde er zum Tanztheatertänzer im Kleinen Bühnenboden, Münster; zum Tanzpädagogen am Deutschen Institut für Tanzpädagogik, Berlin und an der Middlesex University London (Master of Arts in Choreography) zum Choreografen ausgebildet.


Als Leiter von internationalen Tanzworkshops (Sambatanz und Tanztheater) und Tanzprojekten ist er in Deutschland, England, Frankreich, Island, Lettland, Slowenien, in der Slowakei und in der Ukraine unterwegs. Er ist Dozent für live-Bühnenperformance an Musikhochschule Münster und Gastdozent an den Innsbruck, Salzburg und Wien Universitäten. Zudem ist er der künstlerischer choreografischer Projektleit
er des Performance Tanztheater Projektes Momentos Innsbruck, Rio & Wien und Mitgründer des Fantast Artist –

Vocal Performance Institute, bei dem er Workshops für Sänger, Bands und Chöre im Bereich live-Bühnenperformance leitet. Als Co-Autor veröffentlichte er das Buch VOCAL PERFORMANCE COACH, 2009 bei PPV Verlag.


Gedichte Schreiben und sie zu vertanzen gehören zu seiner künstlerischen Arbeit, sei es bei seinen Tanztheater-Workshops oder Bühnen-, Film und CD Produktionen.